Uraufführung

 

ANSTATT RASHOMON

Theaterprojekt von Martin Gruber und Susanne Göße

 

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Foto: Carola Hoelting

 

Premiere: Samstag, 19. September 1998, 19.30 Uhr im Podium

Matinée: 13. September 1998, 11 Uhr im Foyer

 

 

Text: Susanne Göße

Regie: Martin Gruber

Bühnenbild: Burkhard Kissenkötter

Kostüme: Irene Hartmann

 

Mit: Sigrid Schnückel (als Gast), Adelheid B. Strelick, Norbert Entfellner und Jan Gebauer.

 

Die erste Schauspielpremiere dieser Spielzeit hat experimentellen Charakter. Ein eigens für das Ulmer Theater konzipiertes, spartenübergreifendes Projekt setzt sich mit einem ursprünglich asiatischen Thema auseinander.

RASHOMON ist der Titel eines berühmten Films von Akira Kurosawa aus dem Jahr 1951, der von den Novellen RASHOMON und IM DICKICHT des japanischen Schriftstellers Ryonosuke Akutagawa inspiriert wurde. Akutagawa selbst griff dabei auf die altjapanischen ERZÄHLUNGEN AUS ALTER ZEIT zurück. Diese beiden Originalerzählungen aus dem KONJAKU MONOGATORI lieferten auch die Grundlage für Susanne Gößes Theaterstück, in dem die vorgegebene Handlung von einer anderen Perspektive aus neu bearbeitet wird.

 

Die Autorin schreibt zu ihrem Stück: „Die Hauptfiguren des Stücks treffen an einem Punkt aufeinander und das Unerwartete, die Katastrophe, geschieht: Vergewaltigung, Mord, Leichenschändung. Das Stück fängt dort an, wo RASHOMON aufhört: im Danach. Nichts ist mehr wie vorher, das Leben aller ändert unvorhergesehen die Richtung.

Alle Figuren bewegen sich in dem Raum, den ihnen ihr Leben nach der Katastrophe noch läßt. Keiner ist im Danach noch das, was er vorher war oder zu sein glaubte. Jeder lebt jetzt ein Leben anstatt des Lebens, das er vor dem Ereignis erträumt, erhofft, geplant hatte. Wie erklärt, rechtfertigt, entschuldigt jeder für sich das Geschehene? Das Ereignis selbst scheint im Danach so unfaßbar, das es unwirklich erscheint, als sei alles jemand anderem zugestoßen. War es wirklich so oder doch ganz anders?

So ist alles Geschehen in diesem Stück ein ANSTATT, lediglich armseliger Ersatz für das Vorher oder eine Entschuldigung, um dem Eigentlichen auszuweichen. Die Frage nach Wahrheit und Lüge, Krieg oder Frieden stellt sich nicht mehr: Wahrheit ist nur eine andere Art von Lüge, Frieden nur eine Krieg mit anderen Mitteln."

 

Was die Besonderheit von Kurosawas Filmen ausmacht, sind drei Maximen für seinen Drehstil: SILENCE - SIMPLICITY - OVER-ACTING. Regisseur Martin Gruber faszinierte die Verwandtschaft zu seiner eigenen Theaterarbeit, die auf Reduktion, Klarheit und Überhöhung basiert. Die schauspielerische Handlung soll auf das Wesentliche zurückgeführt und symbolische Aufladung vermieden werden, um wieder klare Zeichen und Gefühle jenseits von Sentimentalität und Kitsch zu zeigen. Das nennen Martin Gruber und Susanne Göße „unbedingtes Theater". Gruber benutzt Mittel aus den verschiedensten Kunstbereichen: Elemente des Tanztheaters, geographische Linien oder die Benutzung des Texts als Sound kommen vor. Weitere Stichworte seiner Arbeit sind die „Verlangsamung von Zeit" und die „Verdichtung von Atmosphäre". Ein Ziel des Abends ist es, den Zuschauern Platz für ihre eigenen Wahrnehmungsmuster zu lassen.

 

 

Susanne Göße

Studium der Sinologie in Tübingen, Taipeh (Taiwan) und Berlin. Konzeption und Organisation internationaler Kulturveranstaltungen und wissenschaftlicher Tagungen. Dramaturgie für das Theaterprojekt BEIJING LAN in Peking. Übersetzerin chinesischer Avantgarde-Lyrik. Veröffentlichung von Fachpublikationen, Rezensionen, Essays, Artikeln und Beiträgen für den Hörfunk.

 

Martin Gruber

Seit der Kindheit Beschäftigung mit asiatischen Kampfkünsten. Studium der Theaterwissenschaft. Ausbildung bei dem Regisseur Tadashi Suzuki in Toga-Mura (Japan). Assistenz bei Robert Wilson. Verschiedene Choreographien für Dieter Dorn (Kammerspiele München und Staatsoper Berlin). Gründung der Theatergruppe „Fisch und Lamas". Regie und Bühnenbild für „Autistenhochzeit" im Gasteig München. Konzeption und Regie beim internationalen Theaterprojekt BEIJING LAN in Peking.

 

Irene Hartmann

Studium an der Fachhochschule Hamburg bei Dirk von Bodisco. Zusammenarbeit unter anderem mit Claus Peymann, Manfred Karge und Matthias Langhoff am Bochumer Schauspielhaus, den Bühnen der Stadt Köln und am Burgtheater Wien. Mitbegründerin des ZeltEnsembles. Mitarbeiterin beim Theaterprojekt BEIJING LAN. Die letzten Arbeiten Irene Hartmanns am Ulmer Theater waren die Kostüme bei Arthur Millers SCHERBEN und Shakespeares WAS IHR WOLLT.

 

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